Strukturelle Ressourcen Teil 6: Antifragilität

Resilienz_Strukturelle_Ressourcen_06Man braucht gesunde Herausforderungen, um gesund zu bleiben!

Norbert, ein guter Freund von mir aus Deutschland, stand nach seinem Studium vor der Entscheidung, welche erste Arbeitsstelle er suchen sollte. Seine Persönlichkeitsstärken liegen vor allem auf dem gewissenhaftem (Qualität, Klarheit, Analyse, konzentriertes Arbeiten) und stetigen Gebiet (harmonisch, guter Zuhörer, loyal, unterstützend und mit einem großen Bedürfnis an Sicherheit und Stabilität).
Es wäre mehr als logisch gewesen, wenn er sich eine risikofreie Arbeit gesucht hätte, die optimal zu seinem Profil passt. Aber Norbert war klug genug, eine echte Herausforderung zu suchen, und sich damit die Möglichkeit zu schaffen, gesund zu wachsen. Er fand eine Stelle in einem Import-Export-Betrieb, der zwischen Deutschland und der Ukraine Holz handelt. Wenn etwas chaotisch, risikoreich und instabil ist, dann solch ein Job: äußerst unregelmäßige Arbeitszeiten, Leute, die öfter zu spät als rechtzeitig kommen, Absprachen, die immer wieder anders interpretiert werden – und mehr Wodka trinken als einem lieb ist.

Wie ging die Geschichte weiter?


Norbert nahm für zwei Jahre die Herausforderung an und wuchs enorm in seiner Widerstandsfähigkeit und Attraktivität. Und das sogar so sehr, dass eine unserer Beraterinnen entdeckte, was für ein netter Mann er eigentlich war. Inzwischen sind sie verheiratet, haben zwei nette Kinder, und sind noch immer ein positives, anziehendes Paar.

Strukturelle Ressourcen finden Sie also einerseits durch Jobcrafting, bei dem Sie Ihren Job so gut wie möglich an Ihr Idealbild anpassen. Aber andererseits ist folgendes genauso wichtig: Ein Job muss herausfordernd sein, damit Sie bleibend wachsen und Ihre Elastizität, Ihre Resilienz, behalten.

Nassim Nicholas Taleb beschrieb 2012 in seinem Buch “Antifragilität – Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen” ausführlich, warum wir mehr brauchen als nur Ausdauer. Er unterscheidet drei Stadien im Umgang mit Stress und Widerstand:

  • “Fragility”: Wenig Widerstand gegen Stress und Herausforderungen. Menschen, die Herausforderungen schnell als Druck erfahren und versuchen, allen Risiken aus dem Weg zu gehen und darüber hinaus soviel Sicherheit wie möglich in ihre Arbeit und ihren Lebensstil einbauen. Dadurch schwindet ihr gesundes inneres Widerstandsvermögen immer mehr, und sie werden immer anfälliger für die Gefahren, gegen die sie sich eigentlich schützen wollen. Es entsteht eine strukturelle Gewöhnung an ihr gesamtes System, wodurch sie sich immer mehr als Opfer verhalten und nichts anderes mehr wächst als nur noch ihr Selbstmitleid.
  • Robustheit und Resilienz: Sie prägen den gesunden Lebensstil, der imstande ist, mit Widerstand, Enttäuschungen, und Kritik umzugehen und danach wieder in die ursprüngliche „Form“ zurückzukehren (wie z.B. das Leichtmetall Titan) und mit neuer Energie weiterzumachen. Dieser Lebensstil, diese Mentalität hat einen Weg gefunden, gut mit Stress umzugehen und auf lange Sicht gesund zu leben.
  • “Antifragility” („Unzerbrechlichkeit“): Das ist die Mentalität, die noch einen Schritt weiter geht als die Robustheit, und die Krisen und Widerstand als Lernmöglichkeiten und Mittel zur Stärkung willkommen heißt. Unsere Resilienz, unsere Widerstandsfähigkeit, wächst also, wenn wir genügend Herausforderungen in unserem täglichen Leben erfahren. Und sie schrumpft, wenn es zu wenig Herausforderung gibt. Wo wir in der Regel von einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ sprechen, spricht „Antifragility“ von „posttraumatischem Wachstum“.

Wie erkennt man “Antifragilität”? Ich nenne Ihnen ein paar Beispiele. Sie erkennen sie bei Menschen, die

  • mit Freude lebenslang lernen wollen.
  • Problemen nicht länger aus dem Weg gehen, sondern sie als Herausforderungen angehen.
  • Mut zeigen und bereit sind, wo nötig auch Risiken zu nehmen.
  • Herausforderungen willkommen heißen und sie regelmäßig auf eine gesunde Art und Weise aufsuchen, um dadurch wachsen zu können.
  • Verantwortung übernehmen mit „Haut und Haar“. Bei den Römern musste ein Architekt mit seiner Familie eine Woche lang unter der fertig gestellten neuen Brücke wohnen, die er gebaut hatte… Man muss bereit sein, für seine Arbeit, seinen Rat und sein Handeln persönlich die Konsequenzen zu tragen – sogar mit Haut und Haaren dafür Garant stehen.

Der zweite Faktor für strukturelle Wachstumsressourcen ist: genug Herausforderungen erleben. Das geschieht nur dann, wenn man die Mentalität entwickelt, sie zu suchen und sie willkommen zu heißen. Welches sind Ihre Herausforderungen für die kommenden Wochen?

Viel Erfolg,
Ihr Paul Donders

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Ein Gedanke zu „Strukturelle Ressourcen Teil 6: Antifragilität

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