Ziele erreichen – Teil 2: Charakterliche Ziele ZRM

06_Teil2Viele Menschen haben schlechte Erfahrungen mit Neujahrsvorsätzen, Diätvorhaben und ähnlichen Entschlüssen gemacht: Ein paar Stunden, Tage oder sogar Wochen hält die Motivation an. Aber dann lässt die Begeisterung nach. Die Ausdauer bleibt auf der Strecke und eine Stimme tief in einem meldet sich zu Wort, um deutlich zu machen, dass es durchaus gute Gründe gibt, dass alles beim Alten bleibt.

Gründe für das Scheitern

Das liegt auch daran, dass viele Ziele, die wir uns setzen, zu technokratisch sind. Dass wir vom Kopf her entscheiden, aber ohne echte Kraft. Die aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung zeigt deutlich, dass die Art und Weise, wie heute in den meisten Firmen mit Zielvereinbarungen oder »Management durch Ziele« gearbeitet wird, keine nachweisbare positive Wirkung hat. Dafür oft negative Nebenwirkungen wie Druck und nachlassende Motivation. SMARTE Ziele – s. Teil 1 – versagen bei komplexen Aufgaben. Das gilt besonders dann, wenn man hin- und hergerissen oder die eigene Motivation zwiespältig ist.

Bauch und Kopf müssen im Einklang sein

In der Arbeitswelt, der Coaching-Praxis und im persönlichen Umgang mit sich selbst werden innere Zielkonflikte zum Beispiel zwischen bewussten und unbewussten Motiven nur selten berücksichtigt. Dann muss man sich nicht wundern, wenn der »Kopf« eine Entscheidung trifft, für die der »Bauch« nur wenig später sabotiert.

Die Psychologin Dr. Maja Storch hat an der Universität Zürich gemeinsam mit ihrem Team einen Selbstmanagement-und Zielerreichungs-Ansatz entwickelt, der neuste Forschungsergebnisse zur Funktionsweise des Gehirns berücksichtigt: Das Zürcher Ressourcenmodell – kurz ZRM.

Die Bedeutung von Bildern

Ziel des Ansatzes ist es, unbewusste Bedürfnisse und bewusste Motive in Einklang mit Wünschen zu bringen. So kann man Wünsche in motiviertes, zielorientiertes und nachhaltiges Verhalten und erfolgreiche Veränderungsprozesse umsetzen. Die Hirnforschung hat bestätigt, was der Volksmund schon lange weiß: Das Gehirn braucht, um optimal zu funktionieren visuelle Vorstellungen – und ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Deshalb arbeitet ZRM mit Bildern. 705944_web_R_K_B_by_Norbert Wilke_pixelio.deEntweder solchen, die man im Kopf hat oder mit Bildern aus einer Bildkartei. Für das gewünschte Verhalten wird ein emotional starkes Bild gesucht. Ergänzt wird das Bild mit der Entwicklung eines dazu passenden Mottos – also einer Beschreibung der gewünschten Haltung. Nicht auf die Zukunft hin formuliert: Ich will … werden. Sondern im Präsens „Ich verhalte mich jetzt…“

Ein Beispiel:

In einer sehr stressigen Lebensphase war ich innerlich sehr unruhig und wollte aber lieber gelassener sein. Im ZRM Coaching fand ich als Bild für das gewünschte Verhalten das Motiv eines weißen Vogels, der entspannt auf einem Nilpferdrücken ausruhte – eines der Bilder aus der ZRM Bildkartei. Ich machte eine Liste mit Schlagworten, die das Bild ausdrückte: Gelassenheit, Ruhe, Vertrauen, Sicherheit und ein bisschen Frechheit. Nilpferde sind eigentlich gefährlich. Sich auf einem Nilpferd auszuruhen hat was.

Aus diesen Stichworten entwickelte für mich das Motto: „Ich bin entspannt und gelassen wie ein Vogel auf einem Nilpferdrücken!“ Zur Erinnerung setzte ich mir das Bild als Startbild aufs Handy und stellte mir ein Nilpferd aus Stein ins Badezimmer. Beide Bilder regelmäßig vor Augen zu haben. Und ja: Es wirkte. Das Bild, mein Motto-Ziel und die Haltung, die ich dadurch gestärkt einübte, haben mich durch eine schwierige Zeit getragen.

Das Geheimnis hinter ZRM

Durch die Verknüpfung mit einem Bild verankert sich das gewünschte Ziel-Verhalten – Gelassenheit – weit tiefer als vorher, als wenn es nur als abstrakter Satz existiert. Motto-Ziele sind – anders als SMART Ziele eben nicht spezifisch, sondern bewusst situationsübergreifend formuliert. Es geht eher um Haltung als um Handlung. Deshalb wirken sie sich „nebenbei“ fast wie von selbst auf verschiedene Lebensbereiche aus. Wer beruflich gelassen und leicht ist wie ein Vogel auf einem Nilpferdrücken wir auch privat entspannter sein.

Motto-Ziele sind „blumiger“ und stärker

ZRM eignet sich auch für die Erarbeitung von Zielen und Leitsätzen in Familien und Teams, die tiefer greifen und mehr bewirken als die – gähn – langweiligen typischen Leitbilder  wie etwa das eines 633863_web_R_K_B_by_Jonathan Keller_pixelio.deFinanzdienstleisters. „Gegenseitiges Vertrauen und Zuverlässigkeit sind die Basis jeglicher Zusammenarbeit.“ Ein Mottoziel klingt – durch das ins Motto integrierte Bild – meist blumiger. Aber auch greifbarer und energievoller. Etwa: „Wie Goldschürfer suchen, und entdecken wir Anlageschätze für unsere Kunden!“ Ein solches Mottoziel hat Kraft, Menschen zu berühren und ihre Haltungen auf Dauer zu prägen und zu verändern.“

ZRM – noch mehr erfahren

Den ZRM Prozess hier in allen Details zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Aber da Senior Coach Christoph Schalk ein hervorragendes und günstiges Trainings-Quadro dazu geschrieben hat, ist das auch nicht nötig. Wer mehr wissen will, kann sich hier informieren.

Kleine Schritte zum Ziele in der Alltagspraxis

„An der Haltung arbeiten ist ja schön und gut“, mag nun der eine oder andere denken, „aber was ist, wenn ich mir tatsächlich neue spezifische Gewohnheiten aneignen will?“ Inspiration dazu gibt es in Teil 3

Weitere Teile:

Ziele erreichen –
Teil 1: Smarte Ziele 
Teil 3: Große Ziele in kleinen Schritten

 


IMG_1607 Kopie Kerstin Hack // Ist Autorin, Verlegerin und Coach und liebt es, Menschen zu inspirieren und beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen. Ihr aktuell größtes Ziel: Einem alten DDR Marine-Schiff neues Leben einzuhauchen und es zum Seminar- und Coachingboot umzuwandeln. Ihre geographischen Ziele erreicht die Berlinerin am liebsten per Liegerad oder Kajak.

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2 Gedanken zu „Ziele erreichen – Teil 2: Charakterliche Ziele ZRM

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