Vater mit kleiner Tochter am Heimarbeitsplatz

Drei A’s für wertvolle Führung im Homeoffice

NÄHE TROTZ ABSTAND

Es ist gar nicht lange her, da war das Homeoffice für die Meisten von uns ein Ausnahmemodell für ausgewählte Sondersituationen. Inzwischen ist der Heimarbeitsplatz nicht nur gelebter Alltag, Arbeitgeber sind sogar per Corona-Arbeitsschutzverordnung dazu verpflichtet Mitarbeitenden Homeoffice anzubieten – soweit keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen.

So sitzen oder stehen Teams und Führungskräfte nun in den eigenen vier Wänden und versuchen alle Bälle in der Luft zu halten: Kinder, die beschult werden und Partner, die ebenfalls berufliche Herausforderungen haben. Existenzielle Notsituationen, die manche selbst oder in ihrem Umfeld erleben.

In dieser Zeit sind alle unsere erlernten Routinen erschüttert, so dass wir vor allem damit beschäftigt sind, uns selbst zu führen. Alleine das wäre einen eigenen Blogartikel wert.

Auch ohne die kleinen und großen Krisen, die wir Menschen im Angesicht dieser Pandemie durchleben, ist Führung aus der Ferne herausfordernd. Es fehlt etwas – die Nähe zu unseren Mitarbeitenden. 

Aber, es gibt Hoffnung!

Wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, Führung bewusst wahrnehmen und sie nicht beiläufig „erledigen“, entsteht etwas, das über diese Krise hinaus, nachhaltig bleibt. Denn flexible Arbeitsräume und Arbeitszeitmodelle werden uns auch über die Pandemie hinaus nachhaltig beschäftigen. 

„New Work“ war schon vor Corona ein Trend, der letztlich den Wettbewerb unter Arbeitgebern ausmachte. Kriterien, wie Karrierechancen und Bezahlungen sind je nach Branche längst nicht mehr so ausschlaggebend, wie sie es früher einmal waren. Die Kriterien der Arbeitgeberqualität sind inzwischen vielmehr Spaß an der Arbeit, Erfüllung und Work-Life-Balance. Menschen möchten auf Augenhöhe wahrgenommen werden und kein Rad in einer Maschine sein.

Dank Zwangsdigitalisierung zum Lieblingsarbeitgeber

Die Zwangsdigitalisierung durch Corona beschleunigt diesen Prozess massiv. Und das ist eine Chance, zumindest wenn man es schafft diesen Prozess für sich zu nutzen und die eigene Arbeitgeberqualität im Hinblick auf New/Remote Work stärken.

Dabei geht es längst nicht nur um den professionellen Umgang mit Technik. Vielmehr geht es um eine Führung, die es versteht, die Mitarbeitenden zu sehen und Nähe herzustellen, trotz Distanz.

Transparenz & Motivation durch richtiges Fundament

Nähe trotz Distanz? Echte Beziehung trotz Führung aus der Ferne? Was nach einer unlösbaren und für uns alle schwierigen Aufgabe klingt, ist letztlich Kulturarbeit. 

Es geht hier also nicht um Agilität, einen 10 Punkte Projektplan oder eine neue Software, die transparente und effiziente Projektsteuerung ermöglicht. All das mag gut und richtig sein, funktioniert aber nur nachhaltig und erfolgreich, wenn das Fundament dafür geschaffen ist: Mitarbeitende, die bereit sind Transparenz zu zeigen und motiviert sind in einer Leistungsgemeinschaft auf gesunde Weise ihr Bestes zu geben.

Um dieses Ziel zu erreichen sollte es die wichtigste und dringendste Aufgabe von Führungskräften sein, die 3 A’s für wertvolle Führung in Zeiten von Remote Work zu leben.

Drei A’s für wertvolle Führung im Homeoffice

1. Annahme

Die Herausforderungen, die jeder Mensch im privaten Umfeld durchlebt werden für uns in dieser Pandemie außerordentlich spürbar. Die privaten „Enden“ zusammenzuhalten und gleichzeitig im Job 100 % zu geben ist für viele eine Überforderung.

Als Führungskraft dürfen wir unsere Mitarbeitenden sehen und sie in dieser Situation auf Augenhöhe annehmen. Das kommt zuerst. Was wir hier aufbauen können an Loyalität, an gegenseitiger, menschenorientierter Kultur, bekommen wir tausendfach zurück. 

Die Harvard-Professorin Amy J.C. Cuddy schreibt in einem Artikel: 

»Wenn wir über andere urteilen, vor allem über Führungspersonen, schauen wir zuerst auf zwei Dinge: Wie liebenswert ist die Person (Wärme, Verbundenheit, Vertrauenswürdigkeit) und wie furchteinflößend ist sie (Stärke, Macht, Kompetenz)?

[…] Dass es sich dabei um die beiden wichtigsten Dimensionen bei der Beurteilung von Menschen handelt, steht […] außer Frage. 

Warum diese Merkmale so wichtig sind? Weil sie die Antwort auf zwei entscheidende Fragen liefern: Welche Absichten hat dieser Mensch mir gegenüber? Und: Ist er oder sie in der Lage, diese Absichten umzusetzen ?

[…] Natürlich beobachten wir auch viele andere Charakterzüge, aber sie sind nicht annähernd so einflussreich wie die beiden Eigenschaften Warmherzigkeit und Stärke.«

(Buddy, Amy J.C. et al.: „Freundlich führt man am besten“, in „Harvard Business Manager 09/2012, S. 22“)

Die Kombination aus Stärke und Warmherzigkeit sind die Wesentlichen Merkmale an denen Führungskräfte im Wesentlichen von ihren Mitarbeitenden gemessen werden. 

Anders ausgedrückt: Eine Führungsperson, die nicht in der Lage ist ihre Emotionen auszudrücken und stets „vom Kopf“ gesteuert wird, wirkt eher distanziert und kalt. 

Das erstrebenswerte Ergebnis von gelebter Balance aus Stärke und Warmherzigkeit sind letztlich Mitarbeitende, die sich angenommen, gesehen und geachtet fühlen. Und das wiederum ist die Basis für eine aufrichtige und transparente Zusammenarbeit.

2. Aufrichtigkeit

Kultur wird gelebt durch Beispiele von oben. Das heißt: Sie können als Führungskraft nichts erwarten, was Sie nicht selbst vorleben. Wünschen Sie sich Offenheit für Fehler, dann heißt es aktiv eine Kultur zu bauen, in der Fehler miteinander geteilt werden. Der Chef macht den ersten Schritt. 

Auch dieser Aspekt ist ein Teil von Annahme, denn wenn sich Mitarbeitende in ihren Fehlern, Problemen und Schwierigkeiten angenommen fühlen, entsteht Raum für Transparenz und Aufrichtigkeit. Das Beste, was einer Organisation passieren kann ist eine Kultur in der die Mitarbeitenden wissen, dass sie mit ihren Defiziten nicht alleine gelassen werden und davon profitieren, wenn sie ihre persönlichen Schwachpunkte mit ihrem Chef und den Kolleginnen und Kollegen teilen. 

Eine von oben gelebte Aufrichtigkeit führt zu Organisationen, die in der Lage sind ihre Defizite auszugleichen und ihre Auslastung auf gesunde Weise zu regulieren. 

3. Ausrichtung

Mitarbeitende, die sich angenommen fühlen und motiviert sind aufrichtig einem Chef zu folgen werden diesen Zustand nur solange aufrecht erhalten, wie sie eine klare Orientierung für die Organisation verspüren.

Intransparenz über die Situation der Organisation ist Gift für das Vertrauen der Mitarbeitenden. Sie brauchen eine klare und authentische Information über die Lage und eine nachvollziehbare, begeisternde Orientierung oder sogar Vision.

Gerade nach der ersten Phase der Corona-Krise benötigen Menschen und Organisationen vor allem Sicherheit und Orientierung: Welche Zukunft steht uns jetzt bevor – und wohin wollen wir überhaupt? 

Krisen wie diese setzen Emotionen frei – aber zum Glück nicht nur negative. Die aktuelle Situation bietet große Chancen, wenn wir uns auf positive Emotionen konzentrieren und uns auf die Suche begeben nach erreichbaren Bildern von der Zukunft, die zum Leitbild werden können für Ihre Organisation.

Fazit

Die Pandemie zwingt Deutschland ins Homeoffice und versetzt Organisationen vor große Herausforderungen. Am Anfang steht, Führung neu zu (er)leben.

Unternehmen und Führungskräfte, die sich diese Zeit zunutze machen, haben die große Chance eine Organisation zu bauen, deren Kultur attraktiver und wettbewerbsfähiger wird.

Diese Kultur kann etabliert werden, wenn sie von oben vorgelebt wird und insbesondere auf den drei A’s aufbaut:

1. Annahme:
Stärke und Warmherzigkeit sind wesentliche Charaktereigenschaften für Führungskräfte um ein Fundament zu bauen, in dem sich Mitarbeitende gesehen, geachtet und angenommen fühlen.

2. Aufrichtigkeit:
Fühlen sich die Mitarbeitenden angenommen, so schafft dies die Basis für gegenseitige Aufrichtigkeit, die zu einer gesunden Fehlerkultur führt und Organisationen zu lernenden Leistungsgemeinschaften macht.

3. Ausrichtung:
Ein klarer Blick auf die aktuelle Situation und eine begeisternde Vision für die Organisation setzt Kräfte frei für das Handeln im Hier und Jetzt.

»Leadership is all about people. It is not about organizations. It is not about plans. It is not about strategies. It is all about people-motivating people to get the job done. You have to be people-centered.«

– Colin Powell

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